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Die Hermann Bischof Story

 

 Von Dietmar Gasser - April 2005 (Autor kontaktieren)

Copyright der vorliegenden Fotos liegen, wenn nicht anders angegeben,  bei: Manfred Noger, Bregenz

 

Der Formel Ford-Schreck aus dem Westen

Hermann Bischof war ein Rohdiamant, der nicht mehr geschliffen werden wollte.

Der zweite Hermann Bischof der Vorarlberger Motorsport-Historie wird schon sehr früh vom Rennvirus infiziert. Der gebürtige Bizauer sammelt bereits als Zehnjähriger eifrig Autogramme beim ersten Bödele-Bergrennen 1965. „Ein Hans Fink, Manfred Ellensohn oder der Motocrosser Anton Meusburger waren damals meine großen Vorbilder, denen ich nacheiferte“, erinnert sich Bischof an seine Kindheit zurück.

Als 18-Jähriger erwirbt er sich  von Chrysler-Talbot Austria ein Simca Rallye 2-Vorführauto und bestreitet im Juli 1973 sein erstes Autorennen, einen Slalom im deutschen Amtzell. Bischof wird auf Anhieb Zweiter bei den Serientourenwagen bis 1300 ccm, riecht Lunte. Beim Berg-ÖM-Lauf im niederösterreichischen Sonntagsberg fackelt er wenige Wochen später nicht lange herum, holt sich den Klassensieg und freut sich heute noch diebisch über seinen allerersten Erfolg: „Ich hatte mir für das Bergrennen bei Jansen-Tuning – damals der PS-Zauberer und Motorenpapst für Simca-Triebwerke schlechthin – nur die Zündung neu einstellen lassen und einen riesigen Jansen-Tuning-Aufkleber auf’s Auto gemacht. Als der  Klassen-Dominator, ein gewisser Kritz, den Aufkleber erspähte, warf dieser die Nerven weg und legte sein Auto beim ersten Rennlauf gleich auf’s Dach.“

Bischof war für seine junges Alter in der Szene über alles stets erstaunlich gut informiert und so angelte er sich für die Saison 1974 von einem amerikanischen Soldaten, der in Deutschland stationiert war, um einen Spottpreis einen Formel Ford Lotus 61-Boliden samt Hänger für die nationale Rennwagenmeisterschaft. Mit dem gebrauchten, ausrangierten Renner hatte er sich während der Saison langsam aus dem letzten Drittel ins Mittelfeld gehantelt. Bei der letzten Saisonveranstaltung, dem Flugplatzrennen von Ulm-Mengen, liegt Bischof plötzlich an zweiter Stelle, fällt jedoch mit Motorschaden aus. Die Leistung bleibt nicht unbemerkt: Teambesitzer Louis Christen, der spätere Motorrad-Gespann-Konstrukteur, wird auf Bischof aufmerksam, offeriert ihm für nur 12.000.- Schweizer Franken einen neuen LCR Formel Ford-Renner. Bischof schnappt sich das Auto mit der Chassis-Nr. 001, bestreitet damit 1975 und 1976 erneut die nationale Rennwagenmeisterchaft. In Österreich stellen sich die ersten Podiumsplätze ein, in der „FF-Miller-Highlife-Meisterschaft“ in Deutschland gibt es mehrere Top Ten-Platzierungen, u. a. wird er Zweiter in Sembach bei Kaiserslautern.

Bei einem Formel Ford-EM-Lauf im belgischen Zolder im Herbst 1976 ereilt den schnellen Bregenzerwälder jedoch ein jäher Karriere-Rückschlag: Bei einer Rempelei mit einem Belgier steigt der damals 21-Jährige über dessen Hinterrad auf, überschlägt sich, fliegt über die Fangzäune hinweg und landet schließlich - aus dem Sichtfeld der Streckenposten – in einem Graben! Das Auto hat nur noch Schrottwert, Bischof zieht sich „nur“ eine Prellung zu, aber was für den Rennfahrer viel schlimmer war: „Meine Psyche hatte dadurch einen irrsinnigen Schlag erlitten, was auch dazu führte, dass ich vorerst von der Formel Ford nichts mehr wissen wollte.“



Rallye Cross in Melk 1977



Salzburgring 25. Mai 1980



Salzburgring 25. Mai 1980


Salzburgring 25. Mai 1980


Salzburgring 25. Mai 1980


Crash am Salzburgring 1980
(Bild anklicken für mehr Infos)


Nach dem Totalschaden war auch kein Geld mehr in der Kriegskassa, also veranstaltet Bischof – zusammen mit Louis Christen – im Spätherbst 1976 eine feine Rennwagenshow in Dornbirn, füllt zwei Messehallen mit schönen Exponaten wie dem Formel 1-Shadow oder einem Dragster aus England. Auf der Show stand da auch ein VW Käfer 1303 S von Porsche Salzburg herum, den ein Ex-James Bond-Stuntman bei Rallyecross-Rennen einsetzte. Bischof: „Das Auto hatte es mir angetan, war vollgestopft mit Technik und so kaufte ich kurzentschlossen den VW Käfer um 70.000,- Schilling direkt vom Show-Stand weg.“ 1977 und 1978 bestreitet er damit sporadisch Rallyecross-Läufe in Frankreich und in Österreich, wird u. a. Dritter am Leruring in Melk, läßt im A-Finale Leute wie Franz Wurz oder Andy Bentza hinter sich.

Dennoch stagniert die Karriere, doch eine weitere glückliche Fügung bringt am Saiosonende 1978 wieder neuen Schwung: Motorsport-Rivale und Landsmann Walter Schöch stellte gerade ein Mega-F 3- und FF-Team auf die Beine mit riesigem Sattelschlepper und allem Drum und Dran. Der Klauser setzte ab 1979 vier Boliden ein, hatte drei potente Zahler als Piloten, benötigte aber – um den Bekanntheitsgrad seines neuen Teams zu steigern – einen richtigen „Angaser“. Also ruft der Klauser Hermann Bischof an. Man wird schnell handelseins, Bischof muss praktisch nichts bezahlen und feiert mit dem PRS-Boliden sein Formel Ford-Comeback! In der ÖM und der FF 1600-Euroserie folgen regelmäßig Top Six-Platzierungen, aber prompt auch wieder ein Horror-Crash: Auf der berüchtigten Nürburgring-Nordschleife fehlen Bischof im Training nur noch sechs Sekunden auf die Neun-Minuten-Schallmauer. Bischof hassardiert, probiert das Unmögliche. In der „Fuchsröhre“ setzt sein Renner in einer Senke auf, wird unlenkbar. Es folgt ein Ping Pong zwischen den Leitplanken. Der PRS (Pro Race Services) ist ein Totalschaden...

Wenige Wochen später gelingt Bischof dann aber beim Bergrennen in Zwischenwasser mit einem PRS-Ersatzauto endlich der erste Sieg mit einem Formel Ford-Auto! Zusammen mit dem Toni Meusburger hatte man Tage zuvor die Strecke ausgekundschaftet: „Wir sind mit seinem Bi-Turbo-Porsche auf der Rheintalautobahn mit 260 Sachen Richtung Oberland gedonnert und haben dann die Zwischenwasser-Bergpiste mehrmals abgefahren. Ich kannte jede Ecke, jede Bodenwelle, war schon übertrainiert.“ Bei seiner Berg-Premiere betoniert Bischof dann alle Klassengegner, macht auch kurzen Prozess mit Gero Zamagna, dem damaligen Schützling von Dr. Helmut Marko.



April 1981 - Lauf zum "Austria-Formel-Ford-Cup 1981"



16. Aug. 1981 Österreichring


16. Aug. 1981 Österreichring


16. Aug. 1981 Österreichring


16. Aug. 1981 Österreichring


Der schönste Sieg 1981


1980 - erneut im Walter Schöch Racing-Team – verläuft die Saison zunächst nicht nach Wunsch. Es gibt Defekte und Unfälle, doch im Juli folgt auf dem Salzburgring der erste FF-Sieg auf der Rundstrecke; bei Bischof platzt nun endgültig der Knoten. Er gewinnt alle weiteren Saisonrennen und  wird Vizemeister im Formel Ford Cup Austria, wodurch nun Walter Lechner auf den Plan tritt: Der bekannte Rennfahrerschule-Besitzer ist vom Talent des Vorarlbergers beeindruckt und handelt mit ihm für die Saison 1981 einen tollen Deal aus. Der großgewachsene Wälder wird als PRS-Werksfahrer vom Walter Lechner Racing Team engagiert, darf umsonst fahren, muss nur die Preisgelder abgeben. Es beginnt eine einmalige Siegesserie: Während in Deutschland in der Formel Ford-Szene PRS-Teamkollege Stefan Bellof nicht aufzuhalten ist, reißt Hermann Bischof in Österreich alles nieder. Zwischen Juli 1980 und September 1981 gewinnt er bei mehr als einem Dutzend FF-Cup- und Rennwagenmeisterschaftsläufen ohne Unterbrechung, wird 1981 Gesamtsieger des Formel Ford Cup Austria und Österreichischer Rennwagenmeister. Das absolute Highlight-Rennen gibt es zu Saisonende auf dem Ö-Ring: Gerhard Berger gibt nach seinen tollen Auftritten im Alfasud-Cup sein Debüt in der Formel Ford. Ausgerechnet jetzt gibt Bischof - auf Lechner-Bitte hin - sein Siegauto an den Lechner-Kunden Ernst Franzmeier ab, damit dieser damit noch Cup-Zweiter werden kann. Bischof nimmt einen ausgemergelten Renner von der Rennfahrerschule, knallt dennoch im Zeittraining Poleposition hin, brummt Gerhard Berger im Bartl Stadler-Werksauto 1,5 Sekunden auf. Im Rennen erwischt Berger einen Frühstart, wodurch er hinterher von der Rennleitung eine Strafminute aufgebrummt bekommt. Bischof hetzt hinterher, man liefert sich ein Duell, als gäbe es kein Morgen mehr. Zitat Berger aus seinem Buch „Grenzbereich“: „Wir sind uns bei 200 auf der Schönberggeraden und in der Bosch-Kurve in die Räder gefahren. Für mich war das völlig normal, ich war das vom Alfasud her so gewöhnt. Dass das aber im Formel Ford-Auto unheimlich gefährlich ist, weil du dich mit den offenen Rädern verhakeln kannst, habe ich zu dem Zeitpunkt gar nicht kapiert.“ Zitat Bischof, an dessen Auto am Schluß überall die Spuren der Berger-Pneus waren: „Ein Verrückter! Was der damals aufgeführt hat, war ziemlich dumm.“ Berger gewinnt das Rennen auf der Straße, mit der Strafminute wird er noch als Neunter klassiert, Bischof, der nur fünf Meter hinter Berger die Ziellinie quert, wird zum Sieger erklärt, meint aber auch hinterher, dass der Berger „echt gut“ ist. Während Gerhard Berger heute noch in Tirol dem Norbert Siedler erzählt, dass damals schon er der Schnellere gewesen sei, läßt Bischof zurückausrichten, dass das FF-Rennen mit dem späteren „Mister F1“ im Feld das langsamste der 81er-Saison gewesen ist...

Für viele Insider unerklärlich, gibt Hermann Bischof als Formel Ford-Staatsmeister mit Saisonende 1981 sein Karriereende als Autorennfahrer bekannt. Bischof: „Als ich 1974 mit dem Lotus 61 zu meinem ersten Formel Ford-Rennen reiste, habe  ich mich nach der Ankunft auf dem Ö-Ring kurz vor Mitternacht ganz oben auf das Siegerpodest gesetzt, starrte auf die Zielgerade runter und habe mir damals zum Ziel gesetzt, so lange zu fahren, bis ich in der Formel Ford in Österreich die absolute Nummer 1 bin. Mit dem Titel 1981 hatte ich dieses Unterfangen erreicht und ich konnte ohne Wehmut Abschied nehmen.“ Einer, der den Bischof-Entschluß damals nicht verstehen konnte, war Talentescout Dr. Helmut Marko. „Als er mich gefragt hat, was ich in der nächsten Saison machen wolle und ich dem, der mich jahrelang einfach übersehen hatte, zur Antwort gab, dass ich aufhöre und arbeiten gehe, hat er mich nur ganz groß angeschaut“, grinst  Bischof noch heute.

Hermann Bischof war ein Vollblut-Racer, draufgängerisch und ein verwegener Spätbremser. Er hatte es verstanden, mit wenig finanziellen Eigenmitteln guten Motorsport zu betreiben. Bischof: „In den Anfangsjahren hatte ich manchmal mein  Rennauto vermietet, um meine Ausgaben wieder zu refinanzieren. Meine Bestände waren stets im grünen Bereich, ich war bei der Bank immer im Haben.“ Während seiner aktiven Zeit hatte er nur kleinere Sponsorverträge mit Raiffeisen, „Jim Beam“ und der Skifabrik Kästle. „Mir ist das anbaggern von Sponsoren einfach nicht gelegen“, gibt Bischof offen zu, der dann fünf Jahre nach seinem Automobilrennsport-Rücktritt plötzlich den Zweirad-Endurosport entdeckte und sich auch dort rasch etablierte, sich permanent steigerte. 1990 bestreitet er  die „Roof of Afrika-Rallye“, zwei Jahre später wird er bei den „24 Stunden Moto Tout Terrain“ in Clermont Ferrand Gesamtfünfter und Klassensieger mit zehn Minuten Vorsprung im Team mit dem später tödlich verunfallten Moto GP-Sieger Max Wiener (OÖ), Günter Brüstle (Lauterach) und Gerd Arnold (Wolfurt) auf einer Honda XR 600 R. 1994 wird er bei der „Oasis Rallye“ in Tunesien Fünfter, 1995 liegt er dort gar in Führung, ehe er mit seiner KTM LC4 Adventure ausfällt. Bischof über den Zweirad-Endurosport: „Ein Hobby, für das ich  kaum mehr Zeit brauche, als so mancher für die Feuerwehr und du kannst dich wirklich für sehr wenig Geld ganz ordentlich erschrecken.“



1981 gab es bereits Autogrammkarten


Teamchef Walter Lechner war sehr erfreut über den Sieg


1981 gab`s noch Lorbeerkränze für Sieger


Cross- und Enduromarathons, 1992-1994


Oasis Rallye, Tunesien, 1994, 5. 5Platz


1995 Heinz Kinigadner


Beruflich ist Bischof, der jetzt in Wien lebt, heute im Bereich Werbung und Marketingmanagement (seit 2001 selbständig) sowie im Motor-Journalismus tätig. „Ich wollte mich schon immer selbständig machen. Im kleinen Ländle traute ich mich einfach nicht, aber in Wien hast du viele Möglichkeiten,“ weiß Bischof. Als Journalist ist er dem Motorbereich seit 1981 bis heute verbunden geblieben. Er schreibt für die „NEUE“, „Motor-Freizeit & Trends“, die „Kärntner Woche“, „Shopping Intern“ und produziert Testberichte und Filmreportagen für das TV-Motormagazin „Drehzahl“ bei TW 1. Hermann Bischof: „Wegen meiner aktiven Laufbahn haben sich später wieder viele Türen für mich geöffnet und durch die wöchentliche TV-Sendung „Drehzahl“ (montags)  bin ich nach wie vor aktuell am Geschehen, treffe Leute wie den Norbert Siedler, den Karl Wendlinger oder Bernhard Auinger und telefoniere mit Leuten wie dem zweifachen Indy 500-Sieger (1990 und ´97)Arie Luyendyk, der 1976 bei den Formel Ford-EM-Rennen schon einer meiner Gegner war.“



 1997 Test KTM EXC


2002 Moto Cross Sittendorf


25 Jahre dazwischen


Im Büro


Als Motorjournalist für TW1 tätig


Eine kleine Auswahl seiner Pokale steht im Wiener Büro


 

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