Zur Fotogalerie

Jacky Ickx Interview

 Ex-GP-Idol Jacky Ickx über Sicherheit vor 40 Jahren, s'Ländle u. Tochter Vanina.

Von Dietmar Gasser

 7. Juli 2007 (Vandans)
 

RM: Sie waren ein aussergewöhnlich erfolgreicher Rennfahrer. Was macht der zweifache Ex-F-1-Vizeweltmeister, sechsfache LeMans-Sieger, Formel-2-Europameister, zweifache Langstrecken-Weltmeister und Paris-Dakar-Gewinner heute in der Pension?
  Ickx: Ich lasse es heute etwas ruhiger angehen. Als Hobby organisiere ich alljährlich die "Pharaonen-Rallye" in Ägypten und dann bin ich noch Repräsentant und Markenbotschafter für Audi, weshalb ich auch mit einem Audi Quattro S 200 hier bei der Silvretta Classic mitfahren durfte.
 

RM: Wie hat Ihnen die Silvretta-Classic-Veranstaltung gefallen?

  Ickx: Eigentlich bin ich ob dieser Veranstaltung hin und weg. Ich bin das erste Mal in meinem Leben hier in Vorarlberg. Das Land gefällt mir unglaublich gut, die Leute sind sehr nett. Besonders das Ambiente hier beim Autokorso in Vandans ist wohl einzigartig und die Etappen in der traumhaften Bergwelt bieten alles, was sich ambitionierte Freunde klassischer Rallyes erwarten.
 
RM: Sie haben 1967 auf der Nürburgring-Nordschleife als blutjunger Rennfahrer bereits ihr Debüt bei einem Formel-1-Rennen gegeben. Kurios dabei: Sie fuhren mit einem Formel-2-Auto beim GP mit, weil der Veranstalter das sehr magere F-1-Feld dringend auffüllen mußte.
  Ickx: Es war ein unglaubliches Rennen. Mit dem unterlegenen Renner lag ich schon auf Platz vier, ehe die Radaufhängung brach. Aber ich glaube, dass diese Vorstellung Enzo Ferrari schwer imponiert hat, der mir dann einen Vertrag anbot. 1968 habe ich dann auf Ferrari ín Rouen bereits meinen ersten GP gewonnen. Ich war damals erst 23-jährig und bis dahin - nach Bruce McLaren - der zweitjüngste Fahrer, der einen F-1-Sieg verbuchen konnte.
 
RM: Sie verloren 1969 und 1970 die WM gegen Jackie Stewart bzw. gegen Jochen Rindt nur knapp. Trauern Sie heute diesen WM-Titeln nach?
  Ickx: In keinster Weise. Dass ich heute noch lebe, das ist wohl mein größter Erfolg. Damals war der GP-Sport extrem gefährlich. Früher starben jede Saison im Schnitt zwei Kollegen. Heute sind die Sicherheitsvorkehrungen gottlob sehr ausgefeilt.
 
RM: Zusammen mit Stewart haben Sie sich dann sehr für mehr Sicherheit auf den Rennpisten eingesetzt. Berühmt ist auch ihr "Bummelstreik" gegen das LeMans-Startprozedere von 1969.
  Ickx: Beim klassischen LeMans-Start mußten die Piloten früher zu Fuß zu den entlang der Boxengasse diagonal aufgestellten Fahrzeugen sprinten. Dieser Unsinn barg einfach ein zu hohes Unfallrisiko beim Wegfahren. Ich habe übrigens 1969 dennoch das Rennen gewonnen. Danach wurde diese Startform verboten und Sicherheitsgurte bei den Sportwagen vorgeschrieben.
 
RM: Sie sind Belgier. Thierry Boutsen war 1993 der letzte F-1-Belgier. Wann sehen wir wieder einen Landsmann von Ihnen in der Formel 1?
  Ickx: Leider ist derzeit weit und breit kein Talent in Sicht.
 
RM: Ihre Tochter, Vanina Ickx, hat sich ebenfalls dem Rennsport verschrieben, fährt bei Audi in der DTM.
  Ickx: Einmal teilten wir uns das Steuer bei der Rallye Paris-Dakar. Sie mag ungewöhnliche Dinge. In der DTM muß sie sich gegenüber Rivalin Susie Stoddart behaupten. Hin und wieder bin ich vor Ort und gebe ihr Tipps, so auch am kommenden Wochenende (13.-15. Juli 2007) in Mugello.

 Zurück